"Freizeit mit Sprache"

"Leben des Galilei" von Bertolt Brecht"

 

eine Aufführung des Drama Clubs der kooperativen Mittelschule (KMS) Pazmanitengasse 26 im 2.Bezirk

Am 11.06.2010 hatte das Stück „ das Leben des Galilei“ im Wiener Rathaus Premiere. Ausserdem gab es noch fünf weitere Vorstellungen im 3raum-Anatomietheater.

Die sprachliche Leistung der Kinder hinterließ großen Eindruck bei den Zusehern und auch die Schauspieler selbst waren von ihrer Leistung beeindruckt.

Tina Leisch, die Regisseurin des Stückes, hat von Anfang an, an den Erfolg geglaubt und die Kinder immer wieder zu Höchstleistungen motiviert.

Nicht zuletzt ihr ist es zu verdanken, dass die jungen Protagonisten Texte wie „der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein“ nicht nur sprechen sondern auch verstehen und interpretieren können.

Genau dieses Ziel, nämlich die Förderung des Spracherwerbes haben wir als Verein „Wirtschaft für Integration“  von Anfang an verfolgt und auch erreichen können. Nur wer die erlernte Sprache für sich anwenden kann, zieht einen Nutzen daraus. Wie wichtig Sprache für die berufliche Zukunft dieser jungen Menschen ist steht außer Frage.

Dieses Projekt war für alle Beteiligten eine große Bereicherung und wir wünschen unseren Nachwuchsschauspielern alles Gute für ihre weitere Zukunft.

Inszenierung:

Tina Leisch, Alenka Maly, Stephan von der Deken, Vedantini Meier, Michaela Smoliner

 Premiere:

 

GALERIE

 

„Leben des Galilei“ von Bertolt Brecht

gespielt von Schülerinnen und Schülern
der kooperativen Mittelschule Pazmanitengasse im 2.Bezirk.

Galilei:
Die Winkelsumme im Dreieck kann nicht nach den Bedürfnissen der Kurie abgeändert werden.
Die Bahnen fliegender Körper kann ich nicht so berechnen,
daß auch die Ritte der Hexen auf Besenstielen erklärt werden.
Der kleine Mönch:
Und Sie meinen nicht, daß die Wahrheit,
wenn es Wahrheit ist,
sich durchsetzt, auch ohne uns?
Galilei:
Nein, nein, nein.
Es setzt sich nur so viel Wahrheit durch, als wir durchsetzen;
der Sieg der Vernunft kann nur der Sieg der Vernünftigen sein.

Was ist ein Weltbild? Was passiert, wen zwei verschiedene Weltbilder aufeinanderprallen? Wie werden neue Erkenntnisse gewonnen und wie werden sie durchgesetzt? Warum haben sich die Vertreter der Religion im 17. Jahrhundert dermaßen vehement gegen die neuen Erkenntnisse der Physiker und Astronomen gewehrt?
Dass Galilei angesichts der Drohung der Folter seine Erkenntnisse widerrief, war das ein geschickter Schachzug, eine Absage an sinnloses Märtyrertum oder der Sündenfall der modernen Wissenschaft, die seither nicht mehr hervorgebracht hat, als „ein Geschlecht erfinderischer Zwerge, die für alles gemietet werden können.“ ?

Seit Oktober 2009 beschäftigen sich 50 Schülerinnen und Schüler der Mittelschule Pazmanitengasse im zweiten Bezirk mit den Fragen, die Bertolt Brechts Drama über den berühmten italienischen Physiker und Astronomen Galileo Galilei aufwirft. Während der Theaterarbeit mit den Theaterprofis Tina Leisch, Alenka Maly und Stephan von der Deken und den engagierten Lehrerinnen Michaela Smoliner und Vedantini Meier beweisen die Kinder und Jugendlichen, deren Muttersprache zum allergrößten Teil nicht Deutsch ist, dass man sie üblicherweise völlig unterschätzt, dass sie viel mehr zu lernen, zu hinterfragen, zu begreifen, zu durchdenken im Stande sind als man ihnen – nicht zuletzt wegen ihrer Herkunft- sonst so zutraut.

Und sie beweisen, dass Theater umso spannender ist, je mehr es sich tatsächlich auf die Menschen, ihre verschiedenen Weltbilder und Denkweisen, ihre verschiedenen Zugänge zur Erkenntnis einlässt: Wenn die Flying Jupiters aus der Pazmanitengasse Brecht zur Musik von Patrik Topoke rappen und die Wissenschaftlerinnen des Galileichores die Kunst des Zweifelns rühmen, ist es die nächste Generation von Wienerinnen und Wienern, die hier die Bühne betritt und beansprucht, mitzureden bei gesellschaftlichen Fragen, egal ob mit oder ohne Akzent.

Die Inszenierung ist das Ergebnis des Projektes „Freizeit mit Sprache“, das vom Verein „Wirtschaft  für Integration“ initiiert und organisiert, von der Direktorin der KMS Pazmanitengasse Eva Richlik ermöglicht und von Mag.ª Bettina Breiteneder von der Firma Breiteneder Immobilien gesponsert wird.


Tina Leisch - Regie und Dramaturgie


Film-, Text- und Theaterarbeiterin. Gestaltet Theaterexperimente in gesellschaftlichen Konfliktzonen. Bearbeitete mit Alkoholikern und psychisch kranken Rechtsbrechern am Steinhof die Geschichte der NS-Patientenmorde, recherchierte im Kärntner PartisanInnengebiet ein Stück über ein Massaker eines NS-Polizeibataillons an einer Bauernfamilie, entwickelte mit den Insassen der Jugendjustizanstalt Gerasdorf das Hip-Hop-Drama „Date your Destiny”. Entwickelte und inszenierte mit Roma die mehrsprachigen Romatheaterstücke „Liebesforschung/Istrazivanje ljubavi/Rodimos e kamlipesko“ und „Schneid deinen Ärmel ab und lauf davon!/Cin ci baj taj nas!“.  Ihre Inszenierung von George Taboris „Mein Kampf“ mit Bewohnern des Männerwohnheims Meldemannstrasse hat ihr 2003 den Nestroypreis eingebracht. Ihr Dokumentarfilm „Gangster Girls“ erhielt beim Wiener Filmpreis (Viennale 2008) eine lobende Erwähnung.


Alenka Maly - Regie

Alenka Maly ist oberösterreichische Filmemacherin, Schauspielerin und Regisseurin. Nach Jahren als erfolgreiche Schauspielerin und Sprecherin in Theater, Fernsehen und Radio in Österreich und der Schweiz studiert sie Visuelle Mediengestaltung an der Kunstuniversität Linz/ OÖ. Außerdem inszeniert Alenka Maly immer wieder selbst am Theater, (kürzlich „Andorra“ im Rahmen eines Projektes für „Linz Kulturhauptstadt 09“ mit Jugendlichen aus Guatemala, Tschechien und Österreich). Seit 2002 arbeitet sie als Filmemacherin, mit Blick auf gesellschaftliche Wirklichkeiten und als Videoredakteurin in der freien Szene und für Formate des Österreichischen Rundfunks.
Veröffentlichte Filme:
„Kain Denkmal“ (Crossing Europe Film Festival 2004)
„Noch gibt er nicht Milch“ (Crossing Europe Filmfestival Linz 2006/ Movimento Linz)
„Irmas Zeit“ (Heimatfilmfestival Freistadt 2007/ Moviemento Linz)
„Zwaso“ (11.Jerusalem Jewish Film Festival 2009, Crossing Europe Filmvestival 2009)
„Haiti“(Episode in Micha Shagrirs „Hoppa,Hoppa Reiter“)
Ihr jüngster Film "Hammerweg" dokumentiert das von ihr konzipierte und realisierte temporäre Museum Arbeitersiedlung Hammerweg (www.hammerweg.at) eine interaktive, multidisziplinäre Intervention in den Stadtraum, die die Auseinandersetzung mit Stadt- Architektur- und Sozialgeschichte sowohl durch KünstlerInnen verschiedener Sparten als auch die Protagonistinnen dieser Geschichte zu einem begehbaren Erlebnis-, Erinnerungs- und Reflexionsort verdichtete. (Filmpremiere April 2010/ Crossing Europe)


Stephan von der Deken – Regie

Schauspieler, Kunsttherapeut, Jugendbetreuer
1994-1998 Ausbildung zum Kunsttherapeuten auf dem Gebiet Schauspiel an der Fachhochschule Ottersberg
1999-2002 Mitglied im Faust-Ensemble Hannover, (Leitung Peter Stein)
2002-2004 freiberuflicher Schauspieler, Engagement an verschiedenen Theatern
seit 2004 (Geburt der Tochter Annika): Jugendbetreuer im Verein Wiener Jugendzentren

Gesponsert wird dieses Projekt von Breiteneder Immobilien Parking

 
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